Shorty: Alliance, Infinity, Love – In the Face of the Other
Shownotes
Julia und Matthias sprechen über die Ausstellung ALLIANCE, INFINITY, LOVE – IN THE FACE OF THE OTHER. Die von Mark Sealy kuratierte Hauptausstellung der 9. Triennale der Photographie Hamburg feiert die kulturelle und künstlerische Vielfalt der Fotografie, ihre heilende und transformative Kraft – aber gelingt ihr dies auch?
In den DAS IST KUNST-Shorties stellen Julia Schulze Darup und Matthias Schönebäumer regelmäßig aktuelle Ausstellung der Deichtorhallen Hamburg vor. Kurz und knapp beantworten sie die wichtigsten Fragen: Worum geht es eigentlich? Wer sind die Künstlerinnen und Künstler und was muss ich eigentlich sonst noch über die Ausstellung wissen?
Alle Infos zum Besuch der Ausstellung: www.deichtorhallen.de/besuch
Audioguide zur Ausstellung [gesprochen von Ocean Vuong]: https://soundcloud.com/deichtorhallenhamburg/sets/audioguide-philip-montgomery-american-cycles
DAS IST KUNST – SHORTIES ist eine Produktion der Deichtorhallen Hamburg in Zusammenarbeit mit ByteFM / Hosts: Julia Schulze Darup, Matthias Schönebäumer / Redaktion: Gabriela Basso, Priska Dolling, Matthias Schönebäumer / Musik: Alex Blancke / Logodesign: Gabriela Basso / Foto: Henning Rogge
Transkript anzeigen
00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen.
00:00:09: Das ist Kunst Shorty.
00:00:11: Schön, dass ihr wieder zuhört wenn wir euch eine neue Ausstellung in den Deichtoren Hamburg vorstellen.
00:00:16: Ich bin Matthias Schönebäumer Und
00:00:17: ich bin Julia Schulze Darop Julia,
00:00:19: lange nicht gesehen!
00:00:21: Zumindest
00:00:21: nicht hier im Studio.
00:00:23: Aber das ändert sich ja jetzt schlagartig.
00:00:25: Allerdings...
00:00:27: Denn im Juni haben gleich fünf Ausstellungen in den Deichthohallen eröffnet und das bedeutet natürlich wieder viele neue Shorties hier im Podcast.
00:00:36: Ganz genau.
00:00:36: Und ich freue mich jedenfalls dass es wieder losgeht.
00:00:39: Wom geht's denn heute, Julia?
00:00:41: Es geht um die Ausstellung Alliance Infinity Love In The Face Of the Other.
00:00:46: Die Ausstellung wurde wie gesagt Anfang Juni im Rahmen der Triennale der Fotografie eröffnet und da gibt es einiges zu besprechen.
00:00:53: Ja, dann lass uns keine Zeit verlieren was euch in dieser Ausstellung erwartet das erfahrt ihr hier!
00:01:12: Wir stellen euch heute die Ausstellung Alliance Infinity Love in den Deichtoren Hamburg vor.
00:01:17: sie ist vom fünften Juni bis Zweiundzwanzigsten September zum Jahr in der Halle für aktuelle Kunst zu sehen und Julia, du hast es eben schon gesagt.
00:01:25: Diese Ausstellung ist Teil der neunten Triennale der Fotografie in Hamburg einem der wichtigsten internationalen Festivals für Fotografien.
00:01:34: Genau die Triennal findet wie der Name ja schon sagt alle drei Jahre in Hamburg statt und zwar nicht nur in den Deichto-Hallen sondern in vielen Ausstellungshäusern und Kulturinstitutionen der Stadt.
00:01:46: Das Festival gibt es schon seit, und das hat sich seitdem zu einem echten Highlight in der deutschen aber auch internationalen Fotoszene entwickelt.
00:01:57: Und die Deichto-Hallen bilden mit dem Festivalzentrum und gleich fünf Ausstellungen einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt für die Besucher
00:02:05: ein.
00:02:06: Ja bei der Ausstellung über die wir heute sprechen handelt es sich um die sogenannte Hauptausstellung kuratiert vom künstlerischen Leiter der Triennale Marc Sili.
00:02:14: Aber bevor wir da genauer einsteigen, Julia was macht denn die Trinale der Fotografie für dich so besonders?
00:02:20: Ja es ist wirklich eine ganz besondere Stimmung in der Stadt.
00:02:23: Da ist richtig etwas los und das liegt natürlich auch am Zusammenschluss der Hamburger Kultur Szene.
00:02:29: also Die Ausstellungen sind ja wie gesagt in ganz Hamburg verteilt sind nicht nur über das Medium Fotografie, sondern auch inhaltlich durch ein gemeinsames Thema miteinander verbunden.
00:02:41: Genau so ist es.
00:02:42: und dass diesjährige Thema heißt Alliance Infinity Love übersetzt also Verbundenheit Unendlichkeit Liebe Und diese Begriffe sind auch titelgebend für die Ausstellung um dies heute hier im Shorty gehen soll.
00:02:56: Julia dann nimm uns doch mal mit Wom geht's denn überhaupt?
00:02:59: Also es handelt sich um eine Gruppenausstellung mit rund dreißig internationalen Position und zwar mit ganz unterschiedlichen Geschichten Prägungen, kulturellen Erfahrungen.
00:03:11: Wenn ich jetzt in einem Satz sagen müsste dann vielleicht Es geht um die heilende Kraft der Fotografie also ihr Potenzial Polarisierung und Grenzen zu hinterfragen Und stattdessen Solidarität und Vielfalt zu feiern.
00:03:27: Das klingt ja fast schon so ein bisschen philosophisch, Julia.
00:03:30: Und daher vielleicht auch ein bisschen abstrakt.
00:03:33: also bevor wir inhaltlich noch tiefer einsteigen was gibt es denn ganz konkret zu sehen?
00:03:38: wie war dein erster Eindruck der Ausstellung?
00:03:41: Mich hat beeindruckt, welche Fülle an Arbeiten in der Halle für aktuelle Kunst versammelt sind.
00:03:47: Insgesamt rund fünfhundert Werke und das sind nicht nur Fotografien sondern auch Video- und Rauminstallationen einige Objekte.
00:03:56: Und ich bin so durch die Ausstellung gegangen und war ja wie ein bisschen überwältigt
00:04:01: weil zu viele arbeiten sind
00:04:04: So viele Perspektiven, so viele Themen.
00:04:06: Also Zugehörigkeit, Identität, Spiritualität und alles ist ein bisschen verschachtelt.
00:04:13: also da kann man hier und da auch etwas den Überblick verlieren.
00:04:17: Bei manchen der Videoinstallation bin ich so richtig in anderes Fähren eingetaucht.
00:04:21: Und diese Abwechslung zwischen den Videoräumen und den Fotoserien, das lockert das Ganze schon auf!
00:04:29: Also ich hatte wirklich das Gefühl es gibt hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken.
00:04:34: Ja, das klingt ja erstmal toll aber auch nicht ganz so einfach.
00:04:37: also ich persönlich finde es ja auch immer nicht so einfach in Ausstellungen zu wissen ok wo muss sie nun eigentlich hin oder welcher Weg ist jetzt der richtige?
00:04:46: Aber du hast bestimmt einen guten Tipp, wie man sich in der Ausstellung besser zurechtfindet.
00:04:49: Oder?
00:04:50: Was mir persönlich sehr geholfen hat war einerseits diese Unterteilung der Ausstellungen in die drei Kapitel und andererseits der Audio-Guide.
00:04:58: also der ist wirklich empfehlenswert.
00:05:01: da werden einzelne Werke konkret besprochen Man bekommt Hintergrundinformationen Und auch der Kurator Mark Sealy kommt hier zu Wort.
00:05:10: Er hat ja nicht nur die Position der Ausstellung ausgewählt sondern in seiner Rolle als künstlerischer Festiveleiter, auch die inhaltliche Ausrichtung des Programms maßgeblich mitbestimmt.
00:05:22: Also eine wichtige Perspektive, die uns so durch die Ausstellung
00:05:26: begleitet.".
00:05:27: Ja und wenn ihr noch mehr über oder von Marc Sili wissen wollt, dann hört doch rein in die Podcast-Folge mit Jumoko Ulosanmi.
00:05:35: Sie spricht darin mit dem Kurater ausführlicher darüber was ihn in seiner Karriere bewegt und zu dieser Ausstellung inspiriert hat.
00:05:43: Den Link zur Folge den findet ihr natürlich in den Shownotes.
00:05:52: Julia, ich würde sagen schauen wir uns die drei Kapitel der Ausstellung doch mal ein bisschen genauer an.
00:05:57: Wir fangen bei Alliance an und vielleicht hast du ja sogar schon eine bestimmte künstlerische Position Die dich in diesem Kapitel besonders beeindruckt hat.
00:06:06: Im ersten kapitel dreht sich alles um die Kraft zwischenmenschlicher Beziehung, also darum soziale historische und kulturelle Grenzen zu überwinden.
00:06:17: Und zwar indem man eben Partnerschaften und Allianzenschaft, also Verantwortung übernimmt.
00:06:23: Ein Werk das mich da besonders berührt hat ist das von Teresa Magoyes.
00:06:28: Sie dokumentiert die Transgender Community in Mexiko und zwar indem sie Menschen auf den Ruin von Tanzflächen ehemaliger Nachtklubs porträtiert.
00:06:39: Und wenn du mal so überlegst, diese Clubs hatten ja bevor sie abgerissen wurden auch eine wichtige Funktion als Treffpunkt oder als Schutzraum.
00:06:48: Neben der Fotoserie ist auch eine große gestickte Textilarbeit zu sehen die als Gemeinschaftsprojekt dieser Community entstanden ist und ich finde das Ganze steht eben für das worums in diesem Kapitel geht also um kollektiven Ausdruck, um gemeinsames Handeln und auch darum Veränderungen anzustoßen.
00:07:08: Okay, und auf Alliance folgt das Kapitel Infinity übersetzt also Unendlichkeit.
00:07:14: Wie kann ich das im Zusammenhang mit der Ausstellung verstehen?
00:07:17: Bei Infinity geht es um den Glauben an die unendliche Fähigkeit des Menschen zu gütigem Handeln Und darum Fotografie als Mittel zu nutzen, um unter drücktes Stimm hörbarzumachen.
00:07:31: Die Idee dahinter ist dass die Dinge nicht festgeschrieben sind.
00:07:34: es gibt immer Möglichkeiten für Wandel alles ist in Bewegung.
00:07:39: also das ist hier so mit Infinity gemeint und das Gefühl von Endlichkeit wird bei einigen Werken auch ganz körperlich spürbar.
00:07:47: Ja hast du dann bestimmtes Werk vor Augen?
00:07:49: Zum Beispiel die Fotoserie Night Coming Tenderly Black von David Bay.
00:07:55: Da hatte ich wirklich das Gefühl, in der Arbeit zu versinken.
00:07:58: also auf den ersten Blick sieht man fast nur schwarze Flächen.
00:08:03: und dann umso länger ich so davor stand habe ich schämenhaft Landschaften Gebäude alles in so tiefen Grautönen erkannt.
00:08:12: mich hat es an dem Moment erinnert wenn sich die Augen nachts so langsam an die Dunkelheit gewöhnt.
00:08:17: Und das Projekt ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit der sogenannten Underground Railroad, einem informellen Netzwerk im neunzehnten Jahrhundert.
00:08:26: Das versklavten Menschen in den USA zur Fluchtverhälfe und Bay fotografierte dafür reale und imaginäre Orte entlang der Route und versucht so eben die Erfahrungen dieser Flucht durch die Dunkelheit nachzubilden.
00:08:41: also es ist sehr eindringlich und gleichzeitig erstaunlich still.
00:08:46: Ja dann kommen wir doch mal zum letzten Kapitel Love, also Liebe.
00:08:50: Das kann einem ja auch mal schnell so ein bisschen kitschig vorkommen aber wie ist das denn hier gemeint?
00:08:55: Ganz wörtlich oder eher im übertragenen Sinne?
00:08:58: Eher im Übertragenden Sinne also Liebe es hier als politische Haltung zu verstehen.
00:09:04: und die Idee ist inspiriert von der Schriftstellerin und Feministin Bell Hooks Die Liebe bewusste Lebenspraxis beschrieben hat und das zeigt sich auch in der Ausstellung.
00:09:15: Also wir kennen ja alle Abbildungen von Gewalt, von Entmenschlichung.
00:09:20: Das schockiert... Das ist in den Nachrichten, das lässt sich schnell verbreiten.
00:09:25: Aber die Ausstellung versucht er diese liebevolle ruhige auch versöhnende Funktionen von Fotografie zu stärken.
00:09:33: also nicht dass jetzt alle Abbildungen harmlos werden das meine ich nicht.
00:09:37: es sind definitiv auch Arbeiten zu sehen die beispielsweise nicht für Kinder geeignet sind.
00:09:43: aber der Grundton ist aber ein anderer.
00:09:46: genau Marc Sili hat das so zusammengefasst.
00:09:49: Zitat, das ist keine Ausstellung die dich anschreit sondern eine die dich einlädt zu denken und diese Gedanken einfach zuzulassen egal ob sie dich beruhigen oder verunsichern.
00:10:01: Ich finde dass es ein schönes Bild für das was uns auch in der Ausstellung erwartet.
00:10:12: Okay Julia dann interessiert mich natürlich noch mit welchem Gefühl du aus der Ausstellung gegangen bist.
00:10:16: welche Eindruck ist bei dir geblieben?
00:10:19: Lustig, dass du das fragst.
00:10:20: Denn genau diese Frage wird den Besucher in am Ende der Ausstellung auch gestellt.
00:10:26: Es gibt da nämlich einen eigenen Raum Das sogenannte Lab mit Angeboten zum Zeichnen zur Reflexion Mit weiterführender Lektüre Und es gibt eine Art schwarzes Brett An das man persönliche Eindrücke zur Ausstellung anpinnen kann.
00:10:44: Deiner Frage versammeln sich da ganz unterschiedliche Dinge.
00:10:47: Also Schlagwörter wie Verwirrung, Melancholie, Nachdenklichkeit aber auch Hoffnung Gemeinschaft Zuversicht und Einsatz.
00:10:57: der mir besonders hängen geblieben ist war, wir fühlen uns besser als vorher.
00:11:02: Das ist ja eigentlich ganz schön!
00:11:04: Ja
00:11:04: und da würde ich mich auch einreihen.
00:11:06: also es ist eine Ausstellung die mir Mut macht weil sie Verbindung Menschlichkeit und Vielfalt in den Vordergrund drückt und bei mir ist das schon so ein heilsames Gefühl geblieben.
00:11:17: aber Matthias was würdest du denn dahin schreiben?
00:11:19: Tja, ich glaube.
00:11:20: Ich könnte da gar nicht so schnell was hinschreiben weil ich erst mal die ganzen Eindrücke sortieren müsste.
00:11:25: es sind ja wirklich so viele unterschiedliche Themen und Ausdrucksformen der Fotografie zu sehen Und ich finde ja generell so ein Moment der Überforderung eigentlich immer super.
00:11:34: aber ich glaube ich müsste doch nochmal wiederkommen.
00:11:37: Also würde vielleicht sowas wie ich komme wiederhinschreiben Denn ich glaube schon, dass sich ein zweiter Besuch der Ausstellung definitiv lohnt.
00:11:46: Ja das glaube auch und wenn ihr die Ausstellung noch näher kennenlernen wollt dann empfehlen wir euch außerdem das weitere Programm zur Ausstellung.
00:11:54: schaut einfach mal unter www.deichdo-hallen.de.
00:11:57: Da findet ihr immer viele spannende Angebote für alle Altersgruppen.
00:12:02: Den Link findet ihr natürlich in den Show Notes.
00:12:04: Und ja eine Führung durch die Ausstellungen lohnt sich beispielsweise unbedingt.
00:12:09: Guter Hinweis, Julia.
00:12:10: Ja und damit sind wir schon am Ende dieses Shorties angekommen und möchten euch noch dazu ermutigen den Podcast weiter zu empfehlen oder uns eine Bewertung zu hinterlassen wo immer ihr uns hört.
00:12:21: Ihr könnt es natürlich auch gerne schreiben unter dasistkunst-deichthorhallen.de Oder eure Kommentare hinterlassen, wie ihr wollt.
00:12:29: Wir freuen uns immer über euer Feedback!
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