Shorty: Inner Mornings, or Forms of Counterculture
Shownotes
Julia und Matthias sprechen über die Ausstellung INNER MORNINGS, OR FORMS OF COUNTERCULTURE. Inspiriert vom außergewöhnlichen Leben und Werk der surrealistischen Fotografin und Schriftstellerin Claude Cahun (1894–1954) untersucht die Ausstellung, wie zeitgenössische Kunst Geschichten des Widerstands erzählt und Formen kultureller Gegenbewegung sichtbar macht.
In den DAS IST KUNST-Shorties stellen Julia Schulze Darup und Matthias Schönebäumer regelmäßig aktuelle Ausstellung der Deichtorhallen Hamburg vor. Kurz und knapp beantworten sie die wichtigsten Fragen: Worum geht es eigentlich? Wer sind die Künstlerinnen und Künstler und was muss ich eigentlich sonst noch über die Ausstellung wissen?
DAS IST KUNST – SHORTIES ist eine Produktion der Deichtorhallen Hamburg in Zusammenarbeit mit ByteFM / Hosts: Julia Schulze Darup, Matthias Schönebäumer / Redaktion: Gabriela Basso, Priska Dolling, Matthias Schönebäumer / Musik: Alex Blancke / Logodesign: Gabriela Basso / Foto: Henning Rogge
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00:00:07: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Shorty im Podcast der Deichtorhallen Hamburg.
00:00:12: Wir freuen uns, dass ihr wieder mit dabei seid!
00:00:14: Wir stellen euch hier heute eine neue Ausstellung in den Deichtohallen vor und sprechen über alles was ihr dazu wissen müsst.
00:00:21: Ich bin Matthias Schönebäumer.
00:00:23: Und ich bin Julia Schulze-Darob, hallo!
00:00:24: Ja wie wir schon im letzten Shorty erwähnt haben gibt es momentan viele Ausstellungen in den Deichtorhallen zu sehen dem Rahmen der neunten Triennale der Fotografie eröffnet haben und bei denen sich um die verschiedenen Aspekte der Fotographie dreht.
00:00:39: Dazu gehört auch die Ausstellung Inner Mornings or Forms of Counterculture in der Sammlung Falkenberg.
00:00:45: Die ist noch bis zum XIII.
00:00:46: September, zu sehen und darüber wollen wir heute sprechen!
00:00:50: Ja
00:00:50: also auf nach Harburg-Julya.
00:00:52: gleich geht es weiter und dann erfahrt ihr alles über die Ausstellungen.
00:01:12: So heißt die aktuelle Ausstellung In der Sammlung Falkensberg in Hamburg-Harburg Und es ist vielleicht nicht ganz so einfach zu verstehen, worum es in der Ausstellung überhaupt geht.
00:01:21: Wenn man den Titel so liest oder vor sich hat, Julia lass uns das doch mal aufdröseln!
00:01:30: fast poetisch, so nach innerem Erwachen oder vielleicht auch nach einem Neustart.
00:01:36: Dieser Teil des Ausstellungstitels bezieht sich auf das Gedicht The Inward Morning von Henry David Thoreau und Matthias.
00:01:44: dieser amerikanische Schriftstelle aus dem neunzehnten Jahrhundert gilt ja bis heute als einer der Vordenker des zivilen Ungehorsams – das passt natürlich perfekt zum Begriff der Counterculture!
00:01:55: Ja, aber was kann ich mir denn genau unter Counterculture vorstellen?
00:01:59: Der Begriff der Feldjahr im Zusammenhang mit der Sammlung Falkenberg immer ziemlich häufig.
00:02:04: Bei Counterculturen geht es darum, etabliertes in Frage zu stellen.
00:02:09: Der Begriff hat seinen Ursprung in den neunzehnhundertsechziger Jahren und geht auch oft so mit Auflehnung, Irritation oder Provokation einher – und zwar nicht nur im gesellschaftlichen Kontext sondern auch in der Kunst!
00:02:22: Also auch dort das zu hinterfragen auf das sich alle geeinigt haben….
00:02:28: Harald Faltenberg hat ja Zeit seines Lebens Werke von Künstlerinnen gesammelt, die sich eben gegen den Mainstream also gegen vorherrschende Trends aufgelehnt haben und das wird auch in der Ausstellung deutlich.
00:02:42: Vielleicht sollten wir an dieser Stelle einmal erwähnen dass in der ausstellung gleich drei sammlungen aufeinander treffen wie du gesagt hast Die Sammlung falten berg aber auch die sammlungen des frag de paix de la loire und des musée d'art de non.
00:02:56: Wie viele Werke sind da zusammengekommen?
00:02:58: Was erwartet die Besucherinnen in der Ausstellung, Julia?
00:03:01: Es sind rund hundertsiebzig Werke auf vier Etagen zu sehen.
00:03:05: Fotografische, filmische und installative Ansätze von über achtzig KünstlerInnen.
00:03:12: Inhaltlich kreist alles um den Begriff der Counterculture und in jedem der vier Stockwerke gibt es einen inhaltlichen Schwerpunkt, der eine Strategie der Gegenkultur genauer untersucht.
00:03:25: Aber Matthias da können wir vielleicht später noch ausführlicher drüber sprechen?
00:03:29: Was ich auf jeden Fall jetzt schon mal sagen kann ist dass die Besucherinnen eine wirklich tolle aber auch anspruchsvolle Fotoausstellung erwartet.
00:03:37: mich hat das vor allem gefreut einige der ja ich sag mal alten bekannten aus der Sammlung Falkenberg in ganz neuem Licht beziehungsweise in neuer Nachbarschaft wiederzusehen.
00:03:48: Ja und ein wichtiger Name im Zusammenhang mit der Ausstellung ist Claude Cahyne, die französische Schriftstellerin und Fotografin lebte von eighteenhundertvierundneunzig bis nineteenhundertfünfzig.
00:04:00: Und sie ist so'n bisschen die Leitfigur der Ausstellungen könnte man doch wohl so sagen oder Julia?
00:04:05: Ja, Claude Cahun spielt hier wirklich eine sehr zentrale Rolle.
00:04:09: Denn dieses Leben steht voll und ganz im Zeichen der Gegenkultur – man könnte die Position vielleicht sogar als Role Model der Counterculture bezeichnen!
00:04:19: Denn Cahün hat mit den Rollenklischees der damaligen Zeit gebrochen, also hat in einer offen queeren Partnerschaft gelebt, den eindeutig weiblich kodierten Namen abgelegt und sich auch damals schon aktiv gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt.
00:04:36: Das alles schon Ende des neunzehnten, Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts!
00:04:41: Und kann man das denn auch in ihren Fotografien erkennen?
00:04:44: Auf jeden Fall, also gleich zu Beginn der Ausstellung sehen wir eine Serie von Selbstporträts so stark inszeniert mit auffälliger Maske gerade.
00:04:54: Kahyuen spielt auch in der Fotografie mit diesem Aushäbeln von starren Geschlechterzuschreibung zeigt also auch dort dieses Fluide das Androgyne.
00:05:05: hier und da musste ich auch an die zeitgenössische Kollegin Cindy Sherman denken.
00:05:11: nur dass Kahyun diese Bilder eben in den zwanziger Jahren fotografiert hat und das hat mich total beeindruckt.
00:05:25: Die Ausstellung Inner Mornings or Forms of Counterculture erstreckt sich ja über gleich alle vier Stockwerke des ehemaligen Fabriegebäudes, in den Phoenix-Hallen.
00:05:34: Man macht also schon ganz schön Meter wenn man sich alle Werke ansehen möchte.
00:05:38: Julia ist es den Kuratorinnen denn gelungen hier einen Spannungsbogen zu ziehen?
00:05:42: Ja, ich finde schon die einzelnen Werk- und Stockwerke folgen jetzt keiner starren Struktur.
00:05:49: Das wäre ja bei dem Thema auch irgendwie ein bisschen seltsam.
00:05:52: also es gibt jetzt keine Unterteilung in so klassische Kapitel sondern eher in viellose Themenstränge, die wie ein gedanklicher Überbau für das jeweilige Stockwerk funktionieren.
00:06:03: Okay dann schlage ich vor wir fangen im Erdgeschoss an.
00:06:06: Im Erdgeschoss geht es um Protestkulturen, Communities und Gemeinschaften.
00:06:12: Es geht auch darum viele Perspektiven und Stimmen einzubinden.
00:06:17: Im ersten Stockwerk ist es um das Erkennen von Missständen, von Ungerechtigkeiten und das Sichtbarmachen durch Kunst.
00:06:25: Das Anprangern, das Umdeuten – was Kunst eben besonders gut kann!
00:06:31: Im dritten Teil geht es darum bestehende Narrative zu hinterfragen und Alternativen aufzuzeigen, also die Geschichte neuschreiben.
00:06:40: Und zu guter Letzt im obersten Stockwerk stehen die Künstlerinnen selbst im Fokus – manchmal auch vor der Kamera, denn hier geht es um Inszenierungen, um Selbstinszenierung Auch darum das Porträt als Möglichkeit zu verstehen, Identität zu konstruieren.
00:06:58: Es dreht sich also alles um Fragen wie wer wird?
00:07:01: Wie gezeigt und wer blickt wen
00:07:04: an?".
00:07:04: Und damit wäre dann ja auch der Bogen zum Anfang der Ausstellung zu Claude Kahüns Fotografien geschlossen.
00:07:11: Julia welche Werke aus der Ausstellung sind dir denn ganz besonders in Erinnerung geblieben?
00:07:16: was sollten die Hörer bei ihrem Ausstellungs rundgang den auf gar keinen Fall verpassen?
00:07:22: Da würde ich gerne über Martha Roslars Werk House Beautiful Bringing the War Home sprechen.
00:07:29: Das Werk ist zwischen nineteenhundert achtundsechzig und neunzehnhundert zwanziebzig entstanden, also einer Zeit die von Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg geprägt war.
00:07:40: Die achten sechziger Bewegungen ist eben auch so als Teil der Counterculture zu verstehen.
00:07:45: In ihrer zwanzigteiligen Foto-Montage hat Martha Rosler zwei sehr gegenteilige Bildwelten miteinander verwoben.
00:07:53: Sie hat Fotos aus so Hochglanzwerbeanzeigen mit Kriegsfotografien kombiniert und diese Collagen zeigen dann so ziemlich absurde, teils auch verstörende Szenerien dieses häusliche Luxuriöse auf der einen Seite und das Elend, das Leid der Menschen auf der anderen Seite.
00:08:13: Ja, ursprünglich hat die Künstlerin diese Collagen als Fotokopin auf Anti-Vietnamkriegsdemonstrationen verteilt.
00:08:20: Und sie dann zunächst selbst gar nicht als Kunst angesehen?
00:08:25: Aber für die Ausstellung hier in Harburg ist das Werk auf ziemlich vielen Ebenen spannend.
00:08:30: Rossler hinterfragt ja nicht nur die sinnlose Zerstörung des Krieges sondern zeigt eben auch die Strukturen in die dieses Geschehen eingebunden war.
00:08:40: Also der Vietnamkrieg war ja der erste Krieg, der durch die Berichterstattung im Fernsehen auch sozusagen in die Wohnzimmer der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft übertragen wurde.
00:08:51: Und diese Zerstörung zog dann auf einmal einen dieser heile häusliche Welt diesen kapitalistischen Hochglanz Lifestyle.
00:09:01: Darüber hinaus prangert Rossler auch das traditionelle Rollenbild an.
00:09:04: Also den Mann als Patriot, als Soldat am Front und die Frau eher so als Konsumentin- und Hausfrau.
00:09:13: Die Arbeit hat mich echt beeindruckt!
00:09:15: Das solltet ihr euch unbedingt anschauen.
00:09:24: Julia was für Tipps würdest du unseren Hörerinnen denn noch mitgeben?
00:09:27: Gibt es irgendwas dass man vor dem Besuch der Ausstellung unbedingt wissen
00:09:31: sollte?!
00:09:32: Bei dieser Ausstellung möchte ich wirklich allen ans Herz legen, eine Führung zu besuchen.
00:09:37: Also mir hat es total geholfen mit jemandem durch die Ausstellung zu gehen um so einen Einstieg in die Werke und auch übergeordnete Thematik zu bekommen.
00:09:46: Und ich kann euch eins sagen, es warten wirklich tolle Gehalts auf euch.
00:09:51: Viele kennen die E-Sammlung Falkenberg seit wirklich vielen Jahren und da bekommt ihr neben den wichtigsten Hintergrundinfos zu den Werken sicher auch die ein oder andere Anekdote rund um die Sammlung FalkENberg mit.
00:10:03: Ja in der Sammlungen Falkenhmerk gibt es ja neben den Führungen immer viel spannendes Programm.
00:10:07: rund um laufende Ausstellungen sind beispielsweise Zeichenworkshops geplant und auch ein Expert-Inngesprich rund um das Thema Counterculturen.
00:10:16: Ja und die Termine und Infos, die findet ihr auf Deichto-Hallen.de Den Link den packen wir ja für euch natürlich auch in die Show Notes!
00:10:24: Und dann sollten wir unbedingt noch erklären wann ihr die Ausstellung Inner Mornings or Forms of Counterculture besuchen könnt denn das ist ein bisschen anders als in den anderen beiden Häusern der Deichtohallen.
00:10:36: Ja, das stimmt.
00:10:36: Die Sammlung Feikenberg ist ja nicht am Standort in der Hamburger Innenstadt sondern fußläufig vom Bahnhof in Harburg zu erreichen und auch die Öffnungszeiten unterscheiden sich.
00:10:48: Ihr könnt die Ausstellung jeden Sonntag zwischen zwölf und siebzehn Uhr besuchen.
00:10:53: da könnt ihr einfach ohne Anmeldungen vorbeikommen.
00:10:55: für die öffentlichen Führungen müsstet ihr euch allerdings vorher kurz im Ticket Shop anmelden und die finden immer sonntags um dreizehn Uhr statt.
00:11:03: Prima, vielen Dank Julia und damit solltet ihr nun perfekt vorbereitet sein für euren Besuch in der Sammlung Falkenberg.
00:11:11: Und wir sind am Ende dieses Shorties angekommen und hoffen das es euch wieder gefallen hat.
00:11:15: Sollte dem so sein freuen wir uns wenn ihr den Podcast weiter empfehlt oder uns eine Bewertungen interlasst wo immer ihr uns hört und schreiben könnt ihr uns natürlich auch unter.
00:11:26: Das ist Kunst at Deichthohallen.de.
00:11:29: Beim nächsten Mal dreht sich hier im Shorty gleich wieder alles um die Fotografie, ganz so wie es sich für einen richtigen Triennale Sommer gehört.
00:11:37: Dann sprechen wir über die Ausstellung Cocktail Prologé FC Grundlach Special, die in der Halle für aktuelle Kunst zu sehen ist!
00:11:45: Wir freuen uns natürlich wenn ihr auch da wieder mit dabei seid aber bis dahin verabschieden wir uns.
00:11:50: Ich bin Julia Schulze-Darob und
00:11:52: ich bin Matthias Schönebäumer.
00:11:53: Bis zum nächsten mal Tschüss.
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