Shorty: Akosua Viktoria Adu-Sanyah – Residual Sky Under Contamination
Shownotes
Julia und Matthias sprechen über die Ausstellung RESIDUAL SKY UNDER CONTAMINATION der deutsch-ghanaischen Künstlerin Akosua Viktoria Adu-Sanyah. In ihrer fotografischen Praxis interessiert sie sich für jene Momente, in denen sich unerwartete Eigenschaften des Mediums entfalten. Ausgangspunkt für ihre aktuellen Arbeiten sind historische Fotografien aus der British Empire & Commonwealth Collection in Bristol, aufgenommen am Geburtsort ihres Vaters im heutigen Ghana.
In den DAS IST KUNST-Shorties stellen Julia Schulze Darup und Matthias Schönebäumer regelmäßig aktuelle Ausstellung der Deichtorhallen Hamburg vor. Kurz und knapp beantworten sie die wichtigsten Fragen: Worum geht es eigentlich? Wer sind die Künstlerinnen und Künstler und was muss ich eigentlich sonst noch über die Ausstellung wissen?
Website von Akosua Viktoria Adu-Sanyah
DAS IST KUNST – SHORTIES ist eine Produktion der Deichtorhallen Hamburg in Zusammenarbeit mit ByteFM / Hosts: Julia Schulze Darup, Matthias Schönebäumer / Redaktion: Gabriela Basso, Priska Dolling, Matthias Schönebäumer / Musik: Alex Blancke / Logodesign: Gabriela Basso / Foto: Henning Rogge
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00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Shorty im Podcast der Deichtohallen Hamburg.
00:00:10: Wie immer sprechen wir hier über eine neue Ausstellung und klären alle Fragen, die für Euren Besuch wichtig sind – was gibt's eigentlich zu sehen?
00:00:17: Und worauf könnt ihr euch freuen?
00:00:19: Ich bin Matthias Schönebäumer und mit mir hier im Studio ist Julia Schulze-Darob.
00:00:23: Hallo Julia!
00:00:25: Ja heute geht es für uns ins Foxie das temporäre Haus der Fotografie denn im Rahmen der Triennale der Fotographie zeigen die Deichto-Hallen dort gleich zwei Ausstellungen
00:00:35: Und wir sprechen heute über Residual Sky Undercontamination, die Einzelaustellung von Akosya Victoria Adusanya.
00:00:43: Die ist vom fünften Juni bis zum ersten November im Foxy zu sehen!
00:00:48: Ja
00:00:49: und ich würde sagen lass uns direkt einsteigen Julia was euch in dieser Ausstellung erwartet das erfahrt ihr jetzt.
00:01:08: Julia, bevor wir näher auf die Ausstellung eingehen fände ich es gut wenn du unseren Hörer in die Künstlerin vielleicht etwas näher vorstellst.
00:01:16: Was muss man über sie wissen?
00:01:18: Akosya Victoria Adusanya ist eine deutsch-ganarische Künstlerin.
00:01:22: Sie ist nineteenhundertneunzig geboren also Mitte dreißig lebt und arbeitet in Zürich und zwar an der Schnittstelle von Malerei Installation und fotografischen Objekten.
00:01:34: Dabei erweitert sie die Regeln der analogen Fotografie und spielt mit den Abläufen.
00:01:41: Und ich würde sagen, sie nutzt das Medium auf eine eher unkonventionelle Art.
00:01:46: Was genau bedeutet das denn?
00:01:48: Zum Beispiel hat sie für eines ihrer Projekte die Fotografien im Rahmen einer Performance entwickelt und zwar im Zürichsee also einem ziemlich überdimensionalen Wasserbad.
00:02:00: Generell spielen die Prozesse der Bildentwicklung und auch der Produktionsort.
00:02:04: Also die Dunkelkammer an sich eine große Rolle für ihre Arbeit.
00:02:11: ihre eigene Dunkelkammer gebaut hat.
00:02:13: Dazu hören wir vielleicht später noch ein bisschen mehr, der Ausstellungsraum im Foxy ist ja momentan zweigeteilt die Ausstellung von Adoussania dies im vorderen Teil zu sehen.
00:02:23: Julia was erwartet uns denn in der Ausstellung?
00:02:26: Es erwarten euch rund zwanzig neue Arbeiten der Künstlerin, die fast alle für die Ausstellung in den Deichtohallen entstanden sind.
00:02:33: Das handelt sich dabei um großformatige Farbabzüge von knapp drei Metern Höhe und über eine Meter Breite.
00:02:42: Und das Besondere daran ist dass es eben keine digitalen Drucke sind sondern von Hand entwickelte
00:02:48: Abzüger.
00:02:49: Ja und das ist ja echt beeindruckend vor allen Dingen wenn man so direkt vor diesen Arbeiten im Foxy steht Julia, wie hat sie diese Abzüge denn überhaupt gemacht?
00:02:57: Alle wurden von der Künstlerin selbst entwickelt und durch die fotochemischen Prozesse legt sich ja wie so eine Art Schleier oder eine Schicht auf das Material.
00:03:07: Und auch auf ihre Motive.
00:03:09: Im ersten Moment hatte ich ein bisschen das Gefühl, wie durch so eine trübe Wasserschicht zu schauen.
00:03:15: Also es ist schon so eine ganz besondere Stimmung!
00:03:18: Ja und es klingt ja auch ein bisschen geheimnisvoll muss ich sagen... Was ist denn auf den Fotos überhaupt zu
00:03:23: sehen?!
00:03:24: Die Motive sind nicht so eindeutig zu erkennen, aber wenn ihr genau hinschaut dann entdeckt ihr Teile von Landschaften also vor allem Äste Baumkronen und immer wieder auch den Himmel.
00:03:36: Alles ist sehr fragmentiert fast wie kollagiert und außerdem sind Porträts von Familienmitgliedern der Künstlerin zu sehen.
00:03:45: alles ist immer wieder mit so kleinen Störmomenten versehen.
00:03:48: Also da sind Körnchen Lichtpunkte Teilweise sind sogar die Hände der Künstlerin oder so Streifen erkennbar.
00:03:56: Und diese Streifen und auch die Händen, die zeigen quasi das Ausrollen der Papierrolle, die dann nochmal belichtet wird.
00:04:03: So werden dann die Vorgänge in der Dunkelkammer selbst teil des Bildmotivs.
00:04:15: Julia du sagtest ja schon dass die Dunkelkammer als Produktionsort für die Künstler eine ganz wichtige Rolle spielt?
00:04:21: Kannst du das vielleicht noch ein bisschen näher erklären?
00:04:24: Wenn ich so drüber nachdenke, ist eine Dunkelkammer ja immer auch ein Ort der so ne Schwelle markiert.
00:04:30: Also da wird etwas entwickelt.
00:04:31: Da zeigt sich etwas... Und es ist auch ein Ort, der einlädt ja so Zeit und Raum zu vergessen.
00:04:39: Und bei den Fotografien hatte ich auch den Eindruck das es um diesen latenten Zustand also diese psychologische Ebene des dazwischen geht.
00:04:48: in ihren Bildern werden Beziehung Erfahrung und auch Erinnerungen erfahrbar aber alles bleibt trotzdem nicht so ganz greifbar.
00:04:57: Und vielleicht spielt ja das körperliche auch eine Rolle, oder?
00:05:01: Also wenn ich mir die Farben ansehe häufig tiefe intensive Rot- und Orangstöne Ja, das weckt ja auch so ein bisschen Assoziation zum Körper.
00:05:12: Spielt das bei ihr eine Rolle?
00:05:14: Auf jeden Fall!
00:05:15: Die Farbtöne sind das Eine aber auch die Installation der Werke ist ja sehr körperlich.
00:05:20: also die Fotografien sind auf eigens dafür entwickelten schwarzen Rahmen angebracht und stehen wiederum auf so Haken und Lähnen an der Wand, wie so aufgerichtete Körper.
00:05:32: Also sehr skulptural für eine Fotoausstellung.
00:05:35: Und das passt auch wieder zu der Dunkelkammer die sie selbst gebaut hat.
00:05:39: also da ist alles auf ihren Körper, auf Adoussanias Größe, die Armspanne ausgerichtet und ich stelle mir den Ort auch so ja sehr skruktural vielleicht wie so ne begehbare Installation vor.
00:05:52: Das würde ich mir gerne mal anschauen.
00:05:54: Ja und diese Auseinandersetzungen mit dem Körperlichen, also dem Innersten.
00:05:58: Das ist ja auch durch eine ganz persönliche biografische Erfahrung von ihr geprägt.
00:06:03: Vielleicht kannst du uns darüber noch ein bisschen was erzählen?
00:06:05: Ja, der Vater der Künstlerin hat im Zuge einer Operation etwa sechzig Prozent seines Bluts verloren.
00:06:12: Das hatte starke gesundheitliche Auswirkungen also er verlor seine Sehfähigkeit und litt unter chronischen Schmerzen.
00:06:20: Vier Jahre später ist er verstorben und mit dieser schmerzlichen Erfahrung setzt sich Adousanya künstlerisch auseinander.
00:06:28: Also sie versucht mithilfe der Fotografie sich der Wahrnehmungswelt ihres Vaters anzunähern.
00:06:34: Also versucht so diese neurologischen und psychischen Veränderungen, diese neue Beziehung des Vaters zur Welt zu seiner Umgebung zu verstehen.
00:06:44: Und manche der Bilder erinnern auch an den Moment wenn man mit geschlossenen Augen in die Sonne schaut.
00:06:50: also weißt du wie ich meine?
00:06:51: Ja ja stimmt das ist eine ganz gute Beschreibung.
00:06:54: und was ja sehr auffällig ist es gibt in der Ausstellung diese zwei sehr gegensätzlichen Porträts.
00:07:00: bei zeigen Familiemitglieder der Künstlerin?
00:07:03: Was hat's denn damit auf sich?
00:07:05: Das eine Porträt zeigt ihren Urgroßvater Mütterlicherseits Wilhelm Schlüter in Uniform der deutschen Luftwaffe, also ein deutscher Soldat im Zweiten Weltkrieg.
00:07:16: Das andere zeigt ihre Großmutter Väterlicherseits Jaminou, eine garnalsche Frau hier in einem Portrê inszeniert wie es so für die westliche Kolonialfotografie typisch war.
00:07:28: Die Großmuter gehörte der Bevölkerungsgruppe der Ashanti an, die damals Widerstand gegen die Koloniale möchte leistete und ihre Großmutter sprach Tui, die Muttersprache des Vaters.
00:07:40: Eine Sprache, die die Künstlerin selbst nie gelernt
00:07:43: hat.".
00:07:43: Und weil sich diese beiden Personen in der Ausstellung ebenso gegenüberstehen schafft das natürlich eine gewisse Spannung beim Beobachter!
00:07:51: Ja und dadurch kommen natürlich auch Fragen nach Schuld, Unterdrückung oder rassistischer Gewalt auf.
00:07:57: Also das nationalsozialistische Weltbild steht ja der Existenz der Künstlerin selbst entgegen also als Person die sich künstlerisch ausdrückt, als schwarze Person die ihr auch Dinge hinterfragt und Akosia Victoria Adoussania selbst beschreibt dass dieses Bild ihres Urgroßvaters für sie wie so eine Art Geist funktioniert Erschütterung ihrer Existenz bedeutet.
00:08:24: Sie hat immer wieder Abzüge von diesem Motiv gemacht und es ist auch in der Ausstellung ein widerkehrendes Motiv, das wirkt so ein bisschen wie ein Versuch dass sich vielleicht beim nächsten Abzug etwas ändert.
00:08:36: also die Fragen kommen ja immer wieder aber die Antwort bleibt sozusagen aus Und in beiden Fällen, also bei beiden Familienmitgliedern bleibt ja etwas unausgesprochen oder kann nicht gesagt oder beantwortet werden.
00:08:49: Also es bleibt sowas Unbekanntes im intimsten Kreis in der eigenen Familie.
00:08:55: Ja und gleichzeitig geht's ja auch um historische Ereignisse.
00:08:58: du hast ja eben schon den Urgroßvater im Nationalsozialismus erwähnt.
00:09:03: Und auch die Kolonialfotografie?
00:09:05: Ja, die Bildfragmente, die die Künstlerin verwendet.
00:09:08: Also ich habe es vorhin schon gesagt, Äste, Baumkronen und Teile des Himmels entstammen historischen Fotografien aus Archiven.
00:09:16: Es sind so inszenierte, arrangierte Porträts, die zur Koloniale Zeit in Westafrika aufgenommen wurden wie eben das Porträt ihrer Großmutter.
00:09:26: Diesen Bildern haftet ja die Kolonalgeschichte an also da schwingt Macht unter Drückung Wald mit.
00:09:33: Ja, eben weil Kolonialfotografie ja die Darstellung des anderen des Fremden zeigen wollte!
00:09:40: Und genau das will die Künstlerin nicht reproduzieren und versucht dem eben etwas entgegenzustellen.
00:09:45: Also sie zeigt dann stattdessen die Natur, den Himmel dieser Bilder – und darin findet sich ja auch was Verbindendes!
00:09:52: Der Himmel der Horizont reicht von Ghana bis Deutschland, der umgibt uns alle und dadurch versucht sie diese historischen Einschreibung des ursprünglichen Bildmaterials zu
00:10:04: entmachten.".
00:10:10: Julia, wie immer zum Ende des Shorties möchte ich noch von dir wissen ob du noch Tipps für unsere Hörerinnen hast die sich ja gerne noch mehr mit den Themen der Ausstellung beschäftigen wollen.
00:10:21: Auf jeden Fall, denn im Foxy gibt es gerade ein ganz besonderes Angebot zu dieser Ausstellung.
00:10:27: Ein schwarz-weiß Fotolabor also eine echte Dunkelkammer und da könnt ihr eigene Aufnahmen entwickeln oder analoge Fotografie einfach mal ausprobieren.
00:10:38: begleitet werdet ihr in Workshops von Fotografiestudierenden der HFBK Hamburg.
00:10:44: außerdem empfehle ich euch die Kuratorinführung mit Nadine Isabel Henrich bei der Ihr übrigens gleich beide Ausstellungen im Foxy kennenlernen könnt.
00:11:08: Und wenn ihr uns schreiben möchtet, dann geht das einfach unter podcastaddeichderhallen.de.
00:11:23: Jürgen und damit sind wir schon wieder am Ende!
00:11:25: Ja, das stimmt Matthias aber im Foxy sind ja aktuell zwei Ausstellungen zu sehen.
00:11:31: Im nächsten Shortie sprechen wir also über Rotting From Within von Abdulhamid Kirchherr.
00:11:36: Und bis dahin verabschieden wir uns von euch.
00:11:39: Ich bin Julia Schulze-Daro
00:11:40: und ich bin Mathias Schönebäumer Tschüss.
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