Shorty: Hito Steyerl – Deine Mudda macht Show
Shownotes
In diesem Shorty sprechen Julia und Matthias über die Ausstellung DEINE MUDDA MACHT SHOW von Hito Steyerl. Das vielfach ausgezeichnete Werk der Künstlerin bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und gesellschaftlicher Analyse. In ihren Videoessays und multimedialen Installationen beschäftige sich Steyerl mit aktuellen Themen wie KI, Globalisierung und Postkolonialismus.
In den DAS IST KUNST-Shorties stellen Julia Schulze Darup und Matthias Schönebäumer regelmäßig aktuelle Ausstellung der Deichtorhallen Hamburg vor. Kurz und knapp beantworten sie die wichtigsten Fragen: Worum geht es eigentlich? Wer sind die Künstlerinnen und Künstler und was muss ich eigentlich sonst noch über die Ausstellung wissen?
DAS IST KUNST – SHORTIES ist eine Produktion der Deichtorhallen Hamburg in Zusammenarbeit mit ByteFM / Hosts: Julia Schulze Darup, Matthias Schönebäumer / Redaktion: Gabriela Basso, Priska Dolling, Matthias Schönebäumer / Musik: Alex Blancke / Logodesign: Gabriela Basso / Foto: Henning Rogge
Transkript anzeigen
00:00:04: Hallo und herzlich willkommen im Podcast der Deichtorhallen Hamburg.
00:00:09: Es gibt wieder ein neues Shorty für euch, darin sprechen wir über alles wichtige zu einer neuen Ausstellung in den Deichtohallen.
00:00:15: Worum geht es überhaupt?
00:00:16: Und was erwartet euch?
00:00:18: Ich bin Matthias Schönebäumer und bei mir ist wie immer Julia Schulze-Darob.
00:00:22: Hi Julia!
00:00:22: Hallo Mathias!
00:00:24: Julia, wir haben es im letzten Shorty ja schon angekündigt die Ausstellungen, über die wir heute sprechen.
00:00:29: Die ist ein echtes Highlight
00:00:30: oder?!
00:00:30: Ja, für mich auf jeden Fall.
00:00:32: Ich hab' mich wirklich das ganze Jahr schon auf die Ausstellung von Hito Steil gefreut!
00:00:37: Die trägt dem Titel Deine Mutter macht Show und ist vom dreißigsten Oktober bis neunundzwanzigsten März, in der Halle für aktuelle Kunst zu
00:00:46: sehen.".
00:00:47: Und alles was ihr zu dieser Ausstellung wissen müsst, das erfahrt ihr gleich... Deine Mutter macht Show.
00:01:01: So heißt die Ausstellung der Medienkünstlerin Hito Steyl, die ab sofort in den Dichterhallen zu sehen ist.
00:01:07: Julia das Artmagazin nennt sie in ihrer neuesten Ausgabe Zitat eine der kompromisslosesten scharfsinnigsten und dabei unterhaltsamsten Künstlerinnen unserer Zeit.
00:01:18: Ganz schön beeindruckend wenn man das so liest!
00:01:20: Absolut!
00:01:20: Und noch beeindruckender ist es dann tatsächlich, die Werke zu erleben.
00:01:25: Die Deichto-Hallen zeigen ja eine ihrer bisher größten Einzelausstellungen und ich habe mal zurück überlegt – Ich habe in Wenedik auf der Bienale zum ersten Mal eine Ihrer Videoinstallationen gesehen.
00:01:38: Und diese Ästhetik und die Themen mit denen sich Hito Steier schon damals auseinander gesetzt hat, das war für mich damals komplett neu.
00:01:47: Und rückblickend würde ich sagen sie war da ihrer Zeit schon einen Schritt voraus!
00:01:52: Was sind denn das für Themen?
00:01:53: Worum geht es in Hito-Steils
00:01:55: Kunst?!
00:01:56: Hito Steil untersucht globale Machtstrukturen im digitalen Raum.
00:02:00: Es geht häufig um Überwachung, um Datenströme und die Ökonomisierung des Internets.
00:02:07: also wenn du mal so überlegst moderne Technologien machen ja unseren Alltag deutlich bequemer gehen aber gleichzeitig auch mit Risiken einher Zum Beispiel Ausbeutung, Manipulation, Kontrolle und wie diese gesellschaftlichen Mechanismen im Zusammenhang mit Technologie wirken.
00:02:26: Das untersucht die Künstlerin.
00:02:28: Ja Hito Steyl ist neunzeits sechsundsechzig geboren Und sie hat ihren Weg in die bildende Kunst der es später also über Umwege gemacht.
00:02:36: Sie ist promovierte Philosophin und sie hat in den neunziger Jahren in München Dokumentarfilm Regie studiert.
00:02:42: Inwiefern spielt das für ihre aktuellen Werke denn eine Rolle Julia?
00:02:47: In vielen ihrer Videoarbeiten verwebt Steil dokumentarische mit fiktiven Elementen.
00:02:53: Also manchmal ist sie selbst vor der Kamera zu sehen in sogenannten Lecture-Performances, sie wirkt dann so ein bisschen wie eine Forscherin oder Sprecherin und während sie referiert werden ganz subtil neue Erzählstrenger eingebaut.
00:03:08: Humor ist bei ihr auch sehr wichtig – das erkennst du schon am Titel der Ausstellung!
00:03:13: Und es gibt zum Beispiel einen Tutorial, erklärt, wie wir uns digitaler Überwachungen ziehen können.
00:03:20: Und zwar mit ganz einfachen, teilweise sehr lustigen Tricks.
00:03:23: Zum Beispiel Gesichtsbemalung oder Verkleidungen als Pixel.
00:03:29: und es geht in ihren Arbeiten eben nicht darum nur eine Dystopie aufzuzeigen und Technologie per se als gefährlich darzustellen sondern eher um eine Art Gegenentwurf.
00:03:40: Sie fragt ja auch danach wie kann Kollektiver Widerstand im digitalen Zeitalter aussehen?
00:03:46: Okay, ich glaube dann haben wir jetzt einen guten Überblick bekommen.
00:03:49: Kommen wir doch jetzt mal zur Ausstellung.
00:03:51: Julia du warst natürlich da.
00:03:53: hast sie dir angesehen?
00:03:54: wie hat es dir gefallen?
00:03:55: Es ist wirklich wahnsinnig beeindruckend, wie sich die Halle für jede Ausstellung verwandelt und dieses Mal ist es wieder ganz besonders.
00:04:03: Also es werden ja ca.
00:04:05: fünfzehn Videoarbeiten gezeigt und für viele davon wurden eigene Räume erschaffen und jeder Raum ist dann wie so ein Erlebnis für sich weil Steil eben immer wieder Elemente aus den Videos im Ausstellungsraum fortführt.
00:04:21: Also zum Beispiel durch bestimmte Farben oder einzelne Gegenstände, auch die Sitzgelegenheiten werden Teil der Installationen.
00:04:30: also da sind teilweise ganze Rohrleitungen Kinosessel oder riesige Leuchtkästen verbaut und so sitzt man als Besucherin selbst quasi mitten im Geschehen und ich hatte dadurch irgendwie viel mehr Lust auch länger sitzen zu bleiben, zu verweilen.
00:04:47: Und ich wurde so richtig reingezogen in die Arbeit.
00:04:50: Es gibt ja auch einen Rundgang durch die Ausstellung.
00:04:52: kannst du uns vielleicht noch ein bisschen mehr darüber erzählen wie man sich durch diese ja doch sehr besondere Ausstellung bewegt?
00:04:58: Die Ausstellung ist in zwei Zonen unterteilt, am Anfang der Ausstellung alles hell und ausgeleuchtet.
00:05:05: Die Künstlerin versteht diesen ersten Teil wie eine Art Gym.
00:05:10: also es gibt auch eine Arbeit in der Roboter wortwörtlich trainiert werden Und die zweite Zone im hinteren Teil der Halle ist abgedunkelt.
00:05:18: In den Arbeiten hier geht es um politische Strömungen Überschwemmungen Auch um Klima- und Umwelt.
00:05:26: Ich hatte das Gefühl, dort nochmal ganz anders noch tiefer in ihre Arbeit einzutauchen.
00:05:31: Auch weil das Licht eben ganz anders ist.
00:05:33: die Farbe blau und auch Wasser als Symbol verbinden die Arbeiten hier.
00:05:43: Gibt es denn eine Arbeit aus der Ausstellung von der du besonders beeindruckt warst?
00:05:47: Ja, die Videoarbeit Mechanical Curds aus dem Jahr twenty-fünfundzwanzig war für mich wirklich das Highlight dieses Rundgangs.
00:05:56: Sie ist mitten in der Halle im riesigen abgedunkelten Raum auf einer großen LED Wand zu sehen und es wirkte auf mich fast wie so einem Kirchenschiff.
00:06:06: also sehr erhaben und sakral aber gleichzeitig auch total poppig weil die Video Arbeit und auch die Sitzbänke in neonfarbene Leuchtkästen eingefangen fast sind.
00:06:17: Worum
00:06:18: geht es denn genau in dieser Arbeit?
00:06:20: Also die Leuchttässen, von denen ich eben sprach, tauchen auch im Video wieder auf und dort sieht man immer wieder Luftaufnahmen von staubigen ungetärten Straßen, notdürftig wirkenden Gebäuden und darüber legen sich diese Kästchen, diese Umrisse in Neonfarben.
00:06:37: Aber das sind ja nicht nur die Luftaufnahme zu sehen!
00:06:40: Das stimmt, es werden auch syrische Geflüchtete interviewt die in Lagern im Irak leben und von dort aus als sogenannte Mikroworker arbeiten.
00:06:50: Für einflussreiche ausländische Konzerne klicken sie sich auf ihrem Smartphone durch unzählige Bilder und markieren darin Personen Gebäude Fahrzeuge Und mit diesen Daten werden KI Systeme trainiert eben von Menschen, die ohnehin schon in einer schwierigen Lage sind und dann auch zusätzlich noch finanziell ausgebeutet werden.
00:07:13: Das perfide daran ist auch dass sie eben nicht wissen wofür die Daten am Ende genutzt werden also vielleicht für Navigationssysteme vielleicht aber auch für Überwachungs- oder Militärtechnologie.
00:07:24: Und wenn du das mal so weiter denkst Dann trainieren womöglich diese geflüchteten Menschen Drohnen Die dann wiederum in Kriegen eingesetzt werden.
00:07:38: Eine andere Frage, Julia.
00:07:39: Viele kennen das ja vielleicht?
00:07:41: Man ist eine Ausstellung in der besonders viele Videos zu sehen sind.
00:07:46: Ja es ist nicht immer ganz einfach sich das dann alles anzuschauen und sich darauf einzulassen.
00:07:50: man braucht vor allem Zeit!
00:07:52: Ist das hier auch so?
00:07:54: Ich habe das mal ausgerechnet.
00:07:55: Matthias.
00:07:56: wenn du dir alle Videos der Ausstellungen anschaust landest du bei fast sechs Stunden reiner Laufzeit.
00:08:02: Das ist bei einem Besuch natürlich gar nicht zu schaffen.
00:08:05: Und Hito Steyerl selbst empfiehlt deshalb pro Besuch ungefähr drei Arbeiten anzuschauen, die Deichto-Hallen haben sich da was Tolles ausgedacht und bieten zum ersten Mal ein Wiedersehen Ticket an.
00:08:18: das könnt ihr beim Kauf eines Tickets oder beim Vorzeigen eines Online Tickets kostenfrei an der Kasse ausstellen lassen und so könnte dann noch ein zweites mal in die Ausstellung gehen.
00:08:27: Das sind schönes Angebot.
00:08:29: wie immer möchte ich jetzt noch von dir wissen Julia indem du die Ausstellung eigentlich empfehlen würdest.
00:08:34: Für wen lohnt sich ein Besuch von?
00:08:36: Deine Mutter macht
00:08:37: Show?
00:08:37: Das ist gar nicht so einfach, weil die Ausstellung eben so vielschichtig ist.
00:08:42: Aber natürlich empfehle ich sie allen, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen und dann auch denjenigen, der sich mit netzpolitischen Themen mit Digitalkultur auseinandersetzt Oder vielleicht auch Menschen, die im weitesten Sinne selbst forschen oder einfach neugierig sind.
00:09:00: Investigative Recherche, Medienkompetenz, Robotik – all das spielt hier ja eine Rolle!
00:09:06: Ist es denn eine Ausstellung, die man gut mit Kindern besuchen kann?
00:09:10: Ich war ja mit meinem elfjährigen Sohn da und der war durchaus fasziniert von dem was auf den Bildschirm so auf ihn einströmte.
00:09:19: Für ältere Kinder- oder Jugendliche empfehle ich die Ausstellung auf jeden Fall Vor allem dann, wenn sie die digitale Bildsprache also Memes oder YouTube-Videos schon kennen.
00:09:30: Und ich glaube Steil als Arbeit hat auch sowas sehr Zukunftsgewandtes.
00:09:34: Also Sie benennen ja die gegenwärtigen Probleme und vermittelt aber eben auch so eine Form von Widerstand, von Selbstermächtigung – und ich bin jedenfalls trotz der ja teilweise schweren und komplexen Themen mit einem sehr hoffnungsvollen Gefühl aus der Ausstellung gegangen!
00:09:51: Das ist doch ein schönes Schlusswort, Julia.
00:09:53: Denn wir sind auch schon wieder am Ende des Shorties angelangt!
00:09:56: Was gibt es denn sonst noch rund um die Ausstellung zu entdecken?
00:09:59: Hast du da vielleicht ein paar Empfehlungen?
00:10:01: Auf jeden Fall möchte ich euch unsere Podcast-Folge empfehlen in der Hito Steyerl selbst zu Gast ist.
00:10:07: Jumoko Ulusanmi spricht mit ihr unter anderem über die Bedeutung von Musik für Ihr Werk und auch darüber warum sie das Bundesverdienstkreuz abgelehnt hat.
00:10:17: Die Folge erscheint in Kürze und außerdem gibt es zu dieser Ausstellung wieder Führung mit dir Glucco, dem Intendanten der Deichto Hallen.
00:10:24: Ja und alle wichtigen Infos dazu findet ihr natürlich wie gewohnt in den Show-Notes.
00:10:29: Bleibt mir noch zu sagen dass deine Mutter macht Show von Hito Steyl noch bis zum neunzwanzigsten März.
00:10:34: zwei tausend sieben zwanzig immer Dienstags bis Sonntag von elf bis achtzehn Uhr geöffnet ist.
00:10:40: Am ersten Donnerstag im Monat, sogar bis einundzwanzig Uhr.
00:10:43: an diesen Tagen erhaltet ihr ab achtzehn Uhr freien Eintritt.
00:10:47: Ja und sonst freuen wir uns natürlich wenn ihr den Podcast weiter empfehlt!
00:10:51: Genau schickt die Folge gerne direkt weiter oder hinterlasst uns eine Bewertung wo immer ihr uns hört.
00:10:57: Kommentare und Feedback zum Podcast könnt ihr uns auch per Mail schicken an podcast-deichdohallen.de.
00:11:04: Und als nächstes werden wir uns hier in den Shorties wieder mit der Fotografie beschäftigen, denn dann geht es nämlich um die Premiere einer ganz neuen Ausstellungsreihe im Foxy.
00:11:14: Mit dem Titel Expanded Horizons.
00:11:17: Die erste Ausstellung dieser Reihe trägt den Titel Tomorrow's Ghosts.
00:11:21: und was das mit dieser Ausstellung auf sich hat?
00:11:24: Das erfahrt ihr dann am nächsten Shorty!
00:11:25: Das war Julia sagt und bis dahin verabschieden wir uns.
00:11:29: wäre schön wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid.
00:11:32: Ich bin Matthias Schöne-Bäumer
00:11:33: und ich bin Julia Schulze-Daro.
00:11:35: Macht's gut!
00:11:35: Tschüss.
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